Heimatreise 2013

Unsere Heimatreise „700 Jahre Zinten“

 

SONY DSCDas weite Land,  kilometerweit  Leberblümchen am Straßenrand, Teppiche voller Buschwindröschen und andere Frühblüher stimmten uns schon während der Busfahrt auf unsere ganz besondere Heimatreise ein.

Wie seit langem angekündigt, reisten wir Ende April mit der Reiseagentur Schmidt  in die Heimat.

Mitgekommen waren insgesamt 37 Personen, zum großen Teil aus Zinten und Zinten- Land bzw. deren Nachkommen und aus dem gesamten Kreis Heiligenbeil.

Neben uns Zintener Stadtvertretern Siegfried Dreher und mir war auch  die Kirchspielvertreterin  von Zinten-Land, Irmgard Lenz , dabei.

Eingebettet in ein schönes Rahmenprogramm war der Zinten-Tag natürlich Hauptsache und Höhepunkt dieser Reise. Jährte sich doch in diesem Jahr der Jahrestag der erstenSONY DSC urkundlichen Erwähnung von Zinten zum 700. Mal.

Dafür hatten wir umfangreiche Vorbereitungen getroffen.

Bereits früh am Morgen des 27. April brachen wir von Königsberg aus auf.  Wir hatten uns vorgenommen, zunächst einmal durch das gesamte ehemalige Stadtgebiet zu fahren und überall zu halten, wo Mitreisende wohnten bzw. an den Orten, die mit besonderen Erinnerungen verbunden sind.

Zunächst kamen wir über die Ludwigsorter Chausee. Von dort hatten wir einen schönen Blick über das Land, auf dem sich die Güter Dösen und Kumgarben befanden.

Danach hielten wir  auf der Wilhelmstraße, wo meine Familie wohnte. Dann fuhren wir die Brotbänkenstraße entlang, über den Stradick und die Königsberger Straße zu den Kasernen.

Jeder konnte aussteigen, sich umsehen und Fotos machen.

Wir fuhren wieder zurück zur Mühle und hielten auch dort. Leider ist es dort genau wie bei den anderen wenigen Gebäuden und Ruinen, die noch in Zinten stehen. Der Verfall geht unablässig weiter.

An der Mühle wurden wir wie auf jeder Reise  von einer russischen Militärangehörigen kontrolliert. Selbstverständlich hatten wir die erforderliche Grenzzonengenehmigung. Die Kontrolle durch die junge Frau in Uniform verlief überraschenderweise sehr freundlich.

An der Kirchenruine ging es dann vorbei in die Schulstraße. Am Kirchenberg fand ich sogar ein paar Leberblümchen. Wir hatten Glück, dass der Winter so lang war und alle Frühblüher verspätet blühten.

Leider brüten auf der Kirchturmruine keine Störche mehr.

Auch der Wasserturm steht noch, sehr marode. Ich weiß nicht, ob er noch arbeitet.

Über die Friedrichstraße ging es an der Mittelschule vorbei mit Halt an der Stelle, wo sich das Haus der Familie Kallweit befand. Es steht nicht mehr. Der kleine Teich dahinter ist nur noch ein winziger Pfuhl.

Daneben steht allerdings das Haus der Familie Rutz noch. Darin haben sich die russischen Bewohner einen Einkaufsladen eingerichtet, in dem man erstaunlich viele Dinge kaufen kann.

Wir fuhren weiter zum Waldbad. Auf manchen Fahrten präsentierte sich  das  Waldbad als idyllischer Waldsee, umringt von Bäumen und blühenden Sträuchern. An diesem Tag sah alles grau in grau aus, auch durch die Brandrodung der umgebenden Wiesen.

Von einigen Mitreisenden wurde auch der evangelische Friedhof aufgesucht. Alles ist verwildert, den Haupteingang konnte man jedoch gut erkennen. Es fanden sich typische Grabelöcher und Teile von Grabeinfassungen.

Mi einem Taxi fuhren Mitreisende zur Ziegelei Schacht.

Auch die Memellandsiedlung, in der noch einige Häuser stehen, wurde besucht.

Ich begleitete einen Landsmann in das Haus in der Memellandstraße, in dem sein Vater geboren wurde. Wir wurden von den jetzigen russischen Bewohnern freundlich aufgenommen und mit Tee bewirtet.

Den Platz oberhalb des Friedhofes auf dem ehemaligen Grundstück von Bauer Tiedkte hatten wir uns zu  einer kleinen Feierstunde ausgesucht.

Siegfried Dreher hielt eine Rede mit einem geschichtlichen Überblick über die Entstehung und Entwicklung der Stadt Zinten bis zur Flucht 1945.

Eine Mitreisende trug ein Gedicht eines Zintener Landsmannes aus der Wilhelmstraße vor.  Auch ich als Verteterin der Bekenntnisgeneration erinnerte an Zinten in einer kurzen Ansprache.

Diese Stunde war für alle sehr bewegend.

Aus unserem Zinten ist heute die russische Siedlung Kornewo geworden. Nur die Erinnerung ist geblieben.

An unserer Feierstunde nahmen auch Anna Chomenko aus Königsberg und das Ehepaar Lebendintzew aus Heiligenbeil/Mamonowo teil. Sie unterstützen deutsche Rreisegruppen schon seit Jahren während der Heimatreisen. Gennadi Lebedintzew hat für seine russischen Landsleute bereits eine Broschüre anlässlich 700 Jahre Zinten unter dem Titel „Die verschwundene Stadt“ herausgegeben. Viele jüngere Russen interessieren sich jetzt für die deutsche Geschichte der Region

Wir schlossen die Stunden in Zinten  mit einem kleinen Picknick ab, liebevoll vorbereitet von  Familie Schmidt.

Gegen Nachmittag fuhren wir in Richtung Pr. Eylau.

An dieser Straße lagen viele Dörfer des Kirchspiels Zinten-Land wie Perlen an einer Schnur.   So Maggen, Dothen, Schwengels, Robitten und Bomben.  Links und rechts der Straße ist  heute nur Wald und Gestrüpp bzw. der Grenzzaun zu Polen. Für eine Nachgeborene schwer  vorstellbar, das hier vor einigen Jahrzehnten kleine Dörfer und bestelltes Land lagen. Wir hielten, an der Kreuzung Bomben/Robitten . Gemeinsam schauten wir uns das Land an. In Bomben steht noch ein einziges Haus. Von dort aus führte die Straße nach Bombitten, wo meine Uroma wohnte.

Für unsere Reisegruppe war es ein großes Glück, dass ein Landsmann aus Robitten uns alles ganz genau erklären konnte. Wo genau jedes Dorf lag, wo die Dorfteiche waren, die Schule stand und die Schmiede.

Ich habe es sehr  genossen, mit Zeitzeugen zu reden. Wir waren  immer schnell im Gespräch, alle sofort wieder zu Hause mit all ihren Erinnerungen.

Zu unserer Fahrt gehörten natürlich eine Reihe anderer Erlebnisse.

So besuchten wir  ganz bewusst Kahlberg, Pillau und Gdingen/Gotenhafen. Für viele Landsleute Stationen der Flucht.

In Frauenburg besuchten wir den Gedenkstein am Haff und legten dort einen Kranz nieder.

In der Kirche in Eichholz trafen wir mit dem Pfarrer und dem Bürgermeister Popiel zusammen, organisiert vom Kirchspielverteter von Eichholz Joachim Ruhnau.

Auch auf dem Ehrenfriedhof  in Heiligenbeil wurde im Rahmen einer feierlichen Stunde ein Kranz niedergelegt und ehrende Worte gesprochen.

Eine bewegende, emotionale Reise, die keiner der Mitreisenden so schnell vergessen wird.

Wenn Sie einen ausführlichen Reisebericht möchten, kontaktieren Sie mich bitte per Mail.

Ihre Viola Reyentanz

One Response to Heimatreise 2013

  1. Fey,geb. Breyer says:

    Sehr geehrte Frau V, Reyentanz,
    meine Mutter Irmgard Breyer, geb. Witt wird in diesem jahr 91 Jahre und fängt jetzt an von früher zu erzählen. Ich habe im Internet einiges nachgelesen und würde gerne so eine Heimatreise mitmachen, habe aber keine Information gefunden, ob nochmal eine fahrt nach Königsberg/Zinten stattfindet.über eine Mitteilung ihrerseits würde ich mich freuen.
    Mein Name lautet: Marie-Luise Fey, wohnhaft: 25926 ladelund, Drosseleck 1
    Telefon-Nr.: 04666 9889056

    Mit freundlichen Grüßen
    M. Fey

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